11.05.2026
Nina Warken:
„Wir Bischemer sind stolz auf unser Krankenhaus“
Hoher Besuch beim Jubiläum des Krankenhauses Tauberbischofsheim: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gratulierte am Samstag als Ehrengast zum 60-jährigen Bestehen des Krankenhauses in ihrer Heimatstadt. Bei einem Festakt unterstrich sie die Bedeutung des Klinikstandortes für die Versorgung der Menschen in Tauberbischofsheim und darüber hinaus in der gesamten Region. Beim anschließenden Tag der offenen Tür bekamen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher bei Vorträgen und Mitmachaktionen einen Einblick in moderne Diagnostik und Therapie.
Mit dem Krankenhaus Tauberbischofsheim verbindet Nina Warken eine ganz eigene Geschichte: Drei Sommer lang hat die Ministerin im Krankenhaus ihrer Heimatstadt vor vielen Jahren als Praktikantin während der Ferien gejobbt. „Was mir gut in Erinnerung geblieben ist, ist das Erlebnis, mit wieviel Einsatz und Herzblut die Mitarbeitenden sich täglich um ihre Patienten gekümmert haben. Das hat mich schon damals sehr beeindruckt; das gilt auch heute noch für die Mitarbeitenden des Krankenhauses Tauberbischofsheim. Und das spüren auch die Menschen: Wir Bischemer sind stolz auf unser Krankenhaus.“



Zeichen für Professionalität und Menschlichkeit
Das 1966 an der
Albert-Schweitzer-Straße eingeweihte Krankenhaus sei schon bei seiner Eröffnung
ein Zeichen für Professionalität, Menschlichkeit und moderne Medizin gewesen.
„Auch heute ist die Klinik ein wichtiger Grund- und Regelversorger in der
Region – und mehr noch: ein Ort der Hoffnung und Zuversicht für die Menschen,
ein Stück Kultur und Heimat“, unterstrich die Ministerin. In den sechs Jahrzehnten
habe es in der Krankenhauslandschaft viele Änderungen gegeben, die das
Krankenhaus Tauberbischofsheim mitgestaltet habe: Vom Krankenhaus über den
Zusammenschluss in der „Krankenhaus und Heime Main-Tauber gGmbH“ bis hin zur
Partnerschaft mit dem Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim unter dem Dach der
BBT-Gruppe. „Dabei hat das Krankenhaus Tauberbischofsheim nicht nur die
Traditionen bewahrt, sondern auch immer den Mut zu Innovationen in die Zukunft
bewiesen. Nicht zuletzt mit dem Neubau für Psychiatrie, Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie vor zehn Jahren haben die Verantwortlichen in
moderne Strukturen und in eine moderne Architektur investiert und gezeigt:
Architektur für eine gute Gesundheit endet nicht an der Eingangstür.“
Blick auf aktuelle Herausforderungen
Nina Warken
verwies in ihrer Ansprache allerdings auch auf die aktuellen politischen und
wirtschaftlichen Herausforderungen im Gesundheitssektor und räumte ein, dass
durch finanzielle Engpässe und den Fachkräftemangel viele Krankenhäuser heute
unter starkem finanziellem Druck stehen. „Vor diesem Hintergrund stellt sich
die Frage, wie wir die medizinische Versorgung dauerhaft sicherstellen können.“
Die Politik habe mit der Krankenhausreform der vorangegangenen Bundesregierung
eine erste Antwort gegeben. „Diese Reform haben wir jetzt noch einmal angepasst
und notwendige Änderungen vorgenommen“, so die Ministerin. Nach wie vor bleibe
eine stärkere Orientierung an Qualität und fachlicher Spezifizierung. „Nicht
jedes Krankenhaus soll künftig jede Leistung erbringen. Für komplexere Eingriffe muss man künftig
vielleicht auch mal längere Wege in Kauf nehmen, was am Ende aber im Sinne der
Patienten ist, weil Behandlungsergebnisse bei stärkerer Spezialisierung besser
sind“, so Nina Warken. „Aber unser Ziel bleibt es, eine gute, qualitativ hochwertige
medizinische Versorgung flächendeckend sicherzustellen.“ Dafür habe man nun den Bundesländern mehr
Spielraum und den Krankenhäusern mehr Zeit für die Umstellung gegeben.
"Gesundheit bezahlbar halten"
Die
CDU-Politikerin ging auch auf den aktuellen Kabinettsentwurf zur Stabilisierung
der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung ein. „Mir ist bewusst, dass
das allen Beteiligten viel abverlangt, aber ohne entschiedene Gegensteuerung
würde sich die Situation für die Beitragszahler weiter verschärfen“, betonte
Nina Warken. „Wir wollen stabile Beiträge, denn wir wollen Gesundheit bezahlbar
halten, jetzt und für künftige Generationen.“ Mit Blick auf
die im Entwurf angekündigte eingeschränkte Finanzierung von Tariferhöhungen für
Beschäftigte in den Krankenhäusern machte sie ihren Standpunkt deutlich: „Bei
den Löhnen für die Pflege hatten wir großen Nachholbedarf.“ Diesen habe man mit
den Lohnsteigerungen in den letzten Jahren aufgeholt. Warken: „Wir greifen
nicht in die Tarifautonomie ein. Was Tarifparteien aushandeln, muss sich
allerdings an den wirtschaftlichen Bedingungen orientieren. Es ist kein
finanzieller Spielraum mehr dafür da, dass dIe Krankenkassen einfach alles
übernehmen, was ausgehandelt wird.“ Die Ministerin appellierte an alle
Beteiligten, die eingeleiteten Veränderungen gemeinsam anzugehen.
Dank an Mitarbeitende für ihren täglichen Einsatz
Abschließend
dankte sie den Beschäftigten für die täglich geleistete Arbeit: „Ein
Krankenhaus lebt von seinen Beschäftigten, Sie geben dem Krankenhaus jeden Tag
ein Gesicht. Für Ihren täglichen Einsatz, die Kompetenz und die Zuwendung
meinen ausdrücklichen Dank. Ich wünsche dem Krankenhaus, dass es den
erfolgreichen Weg in die Zukunft weitergehen kann.“
Dem
ausdrücklichen Dank an die Mitarbeitenden schlossen sich auch der
Geschäftsführer der BBT-Gruppe Dr. Frank Zils und der Landrat des
Main-Tauber-Kreises Christoph Schauder an.
Passende Versorgungsangebote für die Menschen vor Ort
Frank Zils hob
in seiner Begrüßung die Besonderheit des Krankenhauses Tauberbischofsheim
hervor: „Was das Krankenhaus hier auszeichnet, ist die enge räumliche und
fachliche Verbindung bei der Versorgung von Menschen sowohl mit somatischen,
körperlichen als auch mit psychischen Erkrankungen.“ Gerade in den vergangenen
Jahren habe man die Angebote in der psychiatrischen und psychosomatischen
Versorgung ausgebaut und zugleich – neben der Akut- und Notfallmedizin –
Schwerpunkte für Geriatrie, spezielle Schmerztherapie und Demenzversorgung
eingerichtet. „Das trifft auf die besonderen Bedürfnisse gerade der vielen
älteren Menschen hier in der Region. Sich an diesen besonderen Bedürfnissen der
Menschen vor Ort zu orientieren, die passenden medizinischen und pflegerischen
Leistungen anzubieten, die Menschen wohnortnah gezielt und in hoher Qualität zu
versorgen, ist uns als BBT-Gruppe ein zentrales Anliegen“, betonte der
BBT-Geschäftsführer mit Blick auf die Tradition des Ordensgründers Peter
Friedhofen. Angesichts der aktuellen politischen Vorgaben werde dies allerdings
für die Krankenhausträger immer schwieriger. „Grundsätzlich müssen
Reformmaßnahmen so ausgestaltet sein, dass sie Versorgungssicherheit gewährleisten,
Planungssicherheit schaffen und dabei die tatsächlichen Versorgungsrealitäten
vor Ort angemessen berücksichtigen“, machte Frank Zils deutlich. „Wir brauchen
eine faire und ausgewogene Lastenverteilung im Gesundheitssystem, wir brauchen
unternehmerische Handlungsspielräume, um uns für die Zukunft gut aufstellen zu
können.“
Dies habe man
auch in einem Gespräch mit der Ministerin vor Beginn des Festaktes betont.
„Bitte nehmen Sie unsere Sorgen und Bedenken mit in die parlamentarische
Debatte, die jetzt folgt; und nehmen Sie unsere Vorschläge zu Änderungen an dem
Kabinettsentwurf auf. Denn wir möchten auch in Zukunft noch viele Jubiläen wie
das heutige hier in TBB und an den anderen BBT-Krankenhausstandorten feiern.“
Krankenhaus als Ankerpunkt für die Menschen in der Stadt und
der Region
Landrat
Christoph Schauder unterstrich ebenfalls die Bedeutung des Krankenhauses
Tauberbischofsheim als „wichtigen Ankerpunkt für die Menschen in der Stadt und
der Region“. Angesichts der zunehmenden Krisen biete das Krankenhaus
Tauberbischofsheim mit seinem speziellen Behandlungsangebot für psychisch
kranke Menschen „einen Schutzraum für die Seele“ weit über den
Main-Tauber-Kreis hinaus. „Der Landkreis als Mitgesellschafter hat den Weg der
Strukturveränderungen in den vergangenen Jahren aktiv mit begleitet.“ Als
Mitgesellschafter sichere man mit dem Krankenhaus Tauberbischofsheim und dem
Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim die Daseinsvorsorge der Menschen. Der
Landrat dankte den Verantwortlichen der BBT-Gruppe sowie dem Caritas-Verband
ausdrücklich für das „gute und vertrauensvolle Miteinander“. Schauder: „Ich bin
überzeugt, dass wir die Herausforderungen in den nächsten Monaten und Jahren
gemeinsam bewältigen werden. Wir als Landkreis werden alles tun, damit das
Krankenhaus Tauberbischofsheim langfristig bestehen bleibt.“
Die
erfolgreiche Geschichte des Krankenhauses Tauberbischofsheim und wichtige
Wegmarken stellte der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Dr. Mathias Jähnel
vor. Zum Abschluss des Festaktes pflanzten die Verantwortlichen gemeinsam mit
der Bundesgesundheitsministerin einen Baum auf dem Gelände als Symbol für das
Wachsen und Gedeihen der Gesundheitsversorgung am Standort Tauberbischofsheim.
Viele Informationen und Einblicke beim Tag der offenen Tür
Im Anschluss
nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, sich über das
aktuelle medizinische Angebot am Krankenhaus Tauberbischofsheim zu informieren.
In mehreren Vorträgen erläuterten Ärztinnen und Ärzte verständlich und
praxisnah wichtige Gesundheitsthemen. Die Chefärztin der Abteilung Geriatrie
Dr. Ana Maria Mateescu informierte, wie Demenz besser verstanden und im Alltag
begleitet werden kann. Dr. Heiko Sprenger berichtete, wann ein künstliches
Gelenk sinnvoll ist, und Chefarzt Dennis Sankat sprach über neue Ansätze in der
Schmerztherapie. Auf großes Interesse stießen auch die Vorträge zu
Herzrhythmusstörungen und Depressionen.
Darüber hinaus
konnte man Medizin hautnah erleben: Die Besucher konnten ausprobieren, wie eine
Herz-Druck-Massage funktioniert, und ihr Geschick bei ersten Übungen der
Schlüssellochchirurgie testen. Sie konnten außerdem einen Blick auf moderne
Ultraschall- und Endoskopieverfahren werfen und sich über Qualitätsmanagement
im Krankenhaus informieren. Blutdruck- und Blutzuckermessungen, Einblicke in
Aroma- und Tanztherapie und in viele weitere Bereiche des Hauses waren geboten.
Feuerwehr und DRK waren außerdem mit Einsatzwagen vor Ort. Ein buntes
Kinderprogramm und leckeres Essen rundeten die Geburtstagfeier des
Krankenhauses ab.


