04.07.2024

Psychiatrische Institutsambulanz am Krankenhaus Tauberbischofsheim wird 20 Jahre

„Ein Leuchtturm für Patienten mit psychischen Erkrankungen“

„Ein Leuchtturm für Patienten mit psychischen Erkrankungen“

Im Krankenhaus Tauberbischofsheim gab es einen Grund zum Feiern: Die Psychiatrische Institutsambulanz – ein ambulantes Versorgungsangebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen – besteht seit 20 Jahren. Das Jubiläum wurde jetzt mit einem Festvortrag im Krankenhaus gebührend gewürdigt. Über 100 Gäste waren der Einladung der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter Leitung von Chefarzt Dr. Mathias Jähnel gefolgt.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 hat sich die Psychiatrische Institutsambulanz, kurz PIA, im Krankenhaus Tauberbischofsheim als unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Gesundheitsversorgung etabliert. Angefangen mit etwa 500 behandelten Patientinnen und Patienten pro Jahr steht sie heute rund 5000 Menschen jährlich in psychischen Krisen bei und hilft ihnen, ihren Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Mit einer Jubiläumsfeier und einem Festvortrag zum Thema Resilienz wurde diese Erfolgsgeschichte jetzt im Krankenhaus Tauberbischofsheim gewürdigt.

Für die Redner eine Gelegenheit, auf die erfolgreiche Arbeit der PIA in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückzublicken und die kontinuierliche Weiterentwicklung und die zukünftigen Herausforderungen der psychischen Gesundheitsversorgung im Main-Tauber-Kreis und ganz Deutschland zu betrachten und zu diskutieren. So bezeichnete Michael Raditsch, Direktor Unternehmenskultur am Krankenhaus Tauberbischofsheim, die PIA als „einen Leuchtturm für Patientinnen und Patienten“. Dieser Begriff stamme aber nicht von ihm, sondern von einer Patientin mit der er einmal gesprochen habe. „Die PIA ist der Leuchtturm für diese Patientin gewesen. Sie hat ihr Orientierung gegeben und war ihr ein Licht, als um sie herum alles dunkel erschien, so hat sie es mir beschrieben“, berichtete Michael Raditsch. „So wie dieser Patientin ist es sicherlich sehr vielen Menschen ergangen, die hier in den letzten 20 Jahren eine gute Betreuung erhalten haben. Dazu gratuliere ich dem gesamten Team von Herzen“, betonte Raditsch.

Sebastian Gerstenkorn, Vorsitzender der Kreisärzteschaft des Main-Tauber-Kreises, bezeichnete die damalige Gründung einer Psychiatrischen Institutsambulanz am Standort Tauberbischofsheim als „weise Entscheidung und Vorhersehung“. „Viel zu viele Patientinnen und Patienten bekommen nicht zeitnah einen Termin, wenn sie akut Hilfe benötigen –Wartezeiten sind schier endlos. Die PIA schließt hier eine wichtige Lücke für die Versorgung der Bevölkerung“, sagte Sebastian Gerstenkorn.

Dr. Herbert Hock, Moderator des Qualitätszirkels der Nervenärzte Franken/Hall-Hohenlohe-Tauber, lobte im Anschluss besonders die „vielen positiven Effekte“, die die Einführung der Psychiatrischen Institutsambulanzen auf die Versorgung der Menschen mit psychischen Erkrankungen mit sich gebracht hätten. Auch die gute Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den niedergelassenen Psychiaterinnen und Psychiatern und den Ärztinnen und Ärzten sowie dem gesamten Personal in der Ambulanz sei ein großer Vorteil für die ganzheitliche und zugleich passgenaue Versorgung der Menschen. „Wir können unsere Patienten jetzt so individuell betreuen, wie es der Einzelne braucht. Es kommt vor, dass die Therapieform und der Patient nicht optimal zusammenpassen. So sind wir für alle Bedürfnisse gerüstet und können uns optimal ergänzen.“

Dr. Mathias Jähnel, blickte in seiner Ansprache zurück auf die Entwicklung der Psychiatrischen Versorgung allgemein und verdeutlichte, wie wichtig es bereits vor 20 Jahren gewesen sei, ein niederschwelliges ambulantes psychiatrisches Angebot im Main-Tauber-Kreis zu schaffen, da die ambulante Versorgungslandschaft in zunehmendem Maße dem Bedarf allein nicht mehr gerecht werden konnte. Der Weitsicht der ehemaligen Krankenhausführung sei es zu verdanken, dass das Angebot geschaffen wurde und heute weiter aufblühen dürfe. „Die PIA ist sogar so erfolgreich, dass wir eine Außenstelle in Bad Mergentheim eröffnet haben, wo weitere über 1.200 Patientinnen und Patienten im Jahr behandelt werden“ Dr. Jähnel dankte besonders dem ehemaligen Kaufmännischen Direktor Bernhard Moll und dem ehemaligen Pflegedirektor Manfred Wiesler, die die damalige Entscheidung getroffen hatten und am Abend auch vor Ort anwesend waren.

Anschließend führte der Chefarzt in das Thema des Vortrages ein. Professor Dr. Oliver Tüscher, von der Psychiatrische Universitätsklinik Mainz und dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz. Prof. Tüscher referierte über „Resilienz im ärztlichen und therapeutischen Alltag“ und sprach damit viele der geladenen Gäste an, die viele hilfreiche Anregungen mitnehmen konnten, um in ihrem Arbeitsalltag und im Umgang mit den Hilfesuchenden selbst psychisch stabil zu bleiben oder stabiler zu werden. Prof. Dr. Tüscher berichtete über aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Resilienz im beruflichen Umfeld medizinischen Personals und verwies auf eine eigens vom Leibniz-Institut eingerichtete Internetseite (www.lir-mainz.de), auf der man einen Selbsttest machen kann und sich über aktuelle Studien informieren könne. In der abschließenden Diskussion wurden Teamarbeit und Sinnhaftigkeit als wichtige Faktoren für Resilienz herausgearbeitet.