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03.02.2014

Assistenzärztin leistet humanitären Hilfseinsatz auf den Philippinen

Während die meisten Deutschen im Kreise ihrer Familie entspannt Weihnachten verbringen, macht sich eine Gruppe Ehrenamtlicher der Hilfsorganisation humedica e. V. auf den Weg ins Zerstörungsgebiet des Taifuns Haiyan, der im November auf den Philippinen gewütet hat. Unter ihnen befindet sich die chirurgische Assistenzärztin Dr. Ulrike Nistel vom Krankenhaus Tauberbischofsheim, um dort freiwillig und unentgeltlich zwei Wochen für die Gesundheit der Überlebenden zu kämpfen. Nach der Rückkehr berichtete Dr. Nistel von ihrem Einsatz.

Bildunterschriftstext

Am 8. November 2013 traf Super-Taifun "Haiyan" mit unvorstellbarer Wucht auf die südostasiatischen Inseln Leyte und Samar. Er veränderte das Leben hunderttausender Menschen binnen Augenblicken. "Yolanda", wie der Sturm auf den Philippinen genannt wird, nahm vielen ihre Familie, ihre Gesundheit, ihr Zuhause. Er hinterlies Tod, unfassbares Leid und Zerstörung.

Unmittelbar nach Bekannt werden der Ausmaße des Tropensturms, entschloss sich die internationale Hilfsorganisation humedica zu einem Einsatz im Katastrophengebiet. Wenn der Verein zum Einsatz ruft, muss alles schnell gehen. Als die Alarmierung kam, zögerte Dr. Ulrike Nistel, seit 1. Oktober 2013 chirurgische Assistenzärztin im Krankenhaus Tauberbischofsheim, nicht lange. Sie fragte Chefarzt Dr. Michael Schneider, ob sie Urlaub nehmen und dem Hilferuf Folge leisten könne. Das Direktorium des Krankenhauses Tauberbischofsheim und Dr. Schneider zollten der Kollegin für ihren selbstlosen Auslandseinsatz höchste Anerkennung und unterstützten die engagierte Helferin mit einer Freistellung von zwei Tagen für ihr Vorhaben.

Hilfskräfte aus dem ganzen Bundesgebiet

Gemeinsam mit drei weiteren Hilfskräften aus dem ganzen Bundesgebiet - einer Krankenschwester, einem Allgemeinarzt und einem Internisten - machte sich die Ärztin in der Facharztausbildung zur Allgemeinchirurgin am 14. Dezember von Frankfurt aus auf den Weg in Richtung Tacloban, der Hauptstadt der Provinz Leyte. Dort angekommen, wurde die Einsatzgruppe bei einer Frau in einem intakten Haus aufgenommen, die es nicht ertragen konnte, dass sie als fast einzige in ihrer Gegend noch ein ganzes Haus hat und nun Sinn darin fand, die Helfer in den roten Westen zu beherbergen. In Tacloban erfuhr Dr. Nistel von persönlichen Schicksalen zahlreicher Menschen, die Schreckliches erlebt haben und trotzdem grenzenlose Stärke zeigen: Jeder Patient habe neben seinem medizinischen Anliegen auch seine persönliche Geschichte der Katastrophe mitgebracht. "Immer wieder war ich tief berührt von dem, was die Menschen erzählten, und dankbar, nicht nur mit Medizin, sondern auch mit einem offenen Ohr und Aufmerksamkeit helfen zu können", berichtete die 32-Jährige. "Gerade weil ich von den Geschichten oft tief bewegt war, musste ich immer wieder staunen, wie die Menschen trotz aller Umstände nach vorn blicken und so gut es geht von Neuem beginnen."

Wie sie all ihre Erlebnisse verarbeiten kann? "Wir haben im Team harmonisch zusammen gearbeitet und über das Erlebte gesprochen", fasste sie ihre Erfahrungen zusammen, "zum anderen haben sich die Menschen unheimlich gefreut, dass wir aus aller Welt gekommen sind." Bei den Filipinos habe sie eine große Dankbarkeit erlebt. Das habe über die Strapazen des Einsatzes hinweg geholfen.

"Man muss mit dem arbeiten, was man hat"

Anfangs noch unter einfachsten Bedingungen arbeitend, übernahmen humedica-Helfer bald das private "Mother of Mercy"-Krankenhaus in Tacloban, das zumindest im Erdgeschoss noch funktionsfähig war. Damit erhöhten sich die Reichweite und Möglichkeiten deutlich. "Mit dem Krankenhaus für die Notaufnahmen im Rücken wurden auch mobile Teams in die Umgebung geschickt", sagte Dr. Ulrike Nistel. "Man muss mit dem arbeiten, was man hat, und daraus das Beste machen".

Das Verletzungsbild umfasste Quetsch-, Riss- und Fleischwunden. Dazu kam die Feuchtigkeit, das schwüle Klima, das viele Wasser, was dazu führt, dass sich die Wunden schnell infizieren. Viele Kinder litten an Mangelernährung, Durchfall, Erkältungen und Tropenkrankheiten. Deshalb beteiligten sich die humedica-Helfer an einem Impfprogramm für Kinder unter fünf Jahren gegen Masern und mit Vitamin A. Weitere Gefahren für die Gesundheit waren der Müll und die Trümmer, die alle paar Meter an den Straßenrändern zu Bergen aufgeschichtet wurden. Sobald es eine Weile nicht geregnet hatte, verbrannten die Menschen den Abfall, samt den darunter eingeschlossenen, noch nicht geborgenen Leichen. Dann war die ganze Stadt voll Rauch, der die Lunge zusätzlich stark reizt und zu Atemwegsinfektionen führt.

Die Menschen schauen nach vorn und packen an

"Wasseraufbereitung und medizinische Versorgung sind auch Wochen nach dem verheerenden tropischen Wirbelsturm noch die zentralen Problemfelder", schilderte die gebürtige Sächsin nach ihrer Rückkehr am 30. Dezember. Aber die Perspektive hat sich seit Anfang Dezember etwas entspannt: Die Menschen schauen nach vorne und packen an. Jeden Tag öffnet ein neues kleines Geschäft in Tacloban oder einem der angrenzenden Städte. Der Schutt wird weniger, immer mehr Straßen sind befahrbar, das Leben kehrt zurück und mit ihm die Hoffnung auf eine gute Zukunft.

Kennen gelernt hat Dr. Ulrike Nistel die Hilfsorganisation humedica 2012 durch einen Einsatz in Albanien, wo sie ebenfalls ehrenamtlich bei einem Hilfseinsatz mitgewirkt hat. "In solchen Zerstörungsgebieten kommt man mit anderen Organisationen ins Gespräch und erfährt, wo auf der Welt man sonst noch helfen kann." So sei sie auf humedica aufmerksam geworden, einen Verein, der von Kaufbeuren (Bayern) aus Menschen in Notsituationen ungeachtet ihres religiösen, ethischen oder politischen Hintergrundes mit konkreter Hilfe zur Seite steht. "Hier ist man als Helfer zu 100 Prozent am Menschen und leistet ,Medizin pur'". Deshalb würde Dr. Ulrike Nistel jederzeit wieder einen humanitären Hilfseinsatz leisten: "Wir Deutsche sind gesegnet und sicher und davon möchte ich gerne etwas zurück geben."

Info: humedica leistet seit 1979 humanitäre Arbeit mit Schwerpunkt auf Katastropheneinsätzen und medizinischer Versorgung. Der Verein versteht sich selbst als christlich-überkonfessionelles Werk, das sich dem Gedanken der Nächstenliebe verpflichtet fühlt. Die Organisation verfügt über vier Tochterorganisationen mit Sitz in Belgien, Brasilien, Sri Lanka und Äthiopien. humedica beschäftigt inzwischen rund 45 fest angestellte Mitarbeiter im In- und Ausland - über 30 davon allein in Deutschland -, die von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt werden. Weitere Informationen gibt es unter www.humedica.org

 
 

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