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Gynäkologie & Geburtshilfe und Kinder- & Jugendmedizin

Zwei Kliniken, ein Ziel: Die beste Versorgung für Mutter und Kind!

Zwei Kliniken, ein Ziel: Die beste Versorgung für Mutter und Kind!

Die Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Saskia Wunderlich und der leitende Oberarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Dr. Sönke Ebert geben im Interview einen Einblick in die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim.

Um werdende Mütter, Väter und ihre Kinder bestmöglich auf ihrem Weg zu begleiten, arbeiten die Klinik fürGynäkologie und Geburtshilfe und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim Hand in Hand. Besonders bei der Betreuung von Frühgeburten, die ab der 32. Schwangerschaftswoche bzw. einem Gewicht von 1.500 Gramm betreut werden können, spielt die Kooperation der beiden Kliniken eine zentrale Rolle. Wir haben mit Dr. Saskia Wunderlich und Dr. Sönke Ebert über aktuelle Herausforderungen und die neuesten Entwicklungen in der medizinischen Betreuung von Früh- und Neugeborenen gesprochen.

Frage: Herr Dr. Ebert, eine Geburt ist immer ein einschneidendes Erlebnis für die Eltern, besonders aber, wenn ein Kind sehr früh zur Welt kommt. Wie viele Frühgeburten betreuen Sie jährlich im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim?

Dr. Sönke Ebert:
„Die Anzahl der Frühgeburten hat in den letzten Jahren leicht zugenommen. Während es im Jahr 2020 noch 84 Frühgeburten (7,4 % der Geburten) waren, haben wir 2023 102 Frühgeburten versorgt (8,0 %). Diese Babys und ihre Mütter betreuen wir in Bad Mergentheim durch unsere enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und die direkte räumliche Nähe im Haus A direkt nach der Geburt neonatologisch und intensivmedizinisch. Wir haben auch die Möglichkeit in zwei neomaternalen Einheiten auf der Kinderintensivstation Mütter und Kinder gemeinsam zu betreuen.“

Frage: Herr Dr. Ebert, hat sich die Arbeit in der Gynäkologie und Geburtshilfe in den letzten Jahren verändert und wie reagieren Sie auf diese Veränderungen?

Dr. Sönke Ebert:
„Ja, die Zentralisation der Versorgung hat dazu geführt, dass wir im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim zunehmend mehr gynäkologische und geburtshilfliche Notfälle versorgen. Dabei führt ein wachsender Anteil an Risikoschwangerschaften zu einer leicht steigenden Kaiserschnittrate. Ursachen für Risikoschwangerschaften sind unter anderem gesundheitliche Faktoren wie Hypertonus (Bluthochdruck), Schwangerschaftsdiabetes oder Adipositas (Übergewicht). Zudem steigt auch der Beratungsbedarf der werdenden Eltern, vor allem, weil das Angebot an externen Geburtsvorbereitungskursen und Nachsorgehebammen in der Region abnimmt. Deshalb bauen wir unsere Elternschule kontinuierlich weiter aus und bieten Eltern zusätzliche Unterstützung zum Beispiel auch durch ambulante Hebammen- und Stillsprechstunden an. In unserem Team arbeiten Hebammen, Ärzte, Kinderkrankenpflegekräfte und Therapeuten, um eine familienorientierte Geburtsbegleitung zu ermöglichen. Denn eine zeitgemäße und fachlich korrekte Vorbereitung ist entscheidend, damit die Eltern aktiv an der Geburt teilnehmen können, eine realistische Erwartungshaltung entwickeln und gezielt auf mögliche Komplikationen vorbereitet sind. Ich kann werdenden Eltern nur ans Herz legen, die kostenlosen Angebote wie Eltern-Infoabende, die präpartale Vorstellung, die Hebammensprechstunde oder auch kostenpflichtige Seminare wie Geburtsvorbereitungskurse oder Säuglingspflegekurse schon vor der Geburt in Anspruch zu nehmen. Oft werden die Kosten für diese Veranstaltungen auch von den Krankenkassen übernommen.“

Frage: Herr Dr. Ebert, was sind die größten Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit im Bereich Geburtshilfe und wie gehen Sie damit um?

Dr. Sönke Ebert:
„Eine der größten Herausforderungen ist momentan die hohe Arbeitsbelastung bei gleichzeitigem Personalmangel. Unser Team setzt mit einem hohen persönlichen Engagement alles daran, unsere hohen medizinischen Standards nicht nur zu halten, sondern die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe auch kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wir haben im ambulanten Bereich Unterstützung von zwei Krankenpflegerinnen, die vor allem die präpartale Sprechstunde betreuen und außerdem auch großartige Unterstützung durch Reinigungskräfte, das Dienstleistungszentrum sowie durch Krankenpflegepersonal auf der Wochenbettstation B2. Auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Anästhesie und OP-Pflege ist ein enormer Zugewinn für eine hervorragende Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. Eine der größten Aufgaben auf unserer Station ist aktuell die Umsetzung der Digitalisierung im Kreißsaal und auf der Station B2 sowohl in Bezug auf die Arbeitsabläufe als auch auf die technische Ausstattung.“

Frage: Frau Dr. Wunderlich, Sie stehen mit Ihrem Team bereit, sobald die Kolleginnen und Kollegen der Geburtshilfe ein Frühgeborenes auf die Welt geholt haben. Können Sie uns die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin im Caritas-Krankenhaus beschreiben?

Dr. Saskia Wunderlich:
„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für uns von entscheidender Bedeutung. Wir erhalten frühzeitig Informationen über Risikoschwangerschaften und Hochrisikoverläufe, was uns ermöglicht, gezielt und frühzeitig zu handeln. Wir besprechen den Verlauf in regelmäßigen Fallbesprechungen und Perinatalkonferenzen. Auch eine palliative Begleitung von werdenden Eltern ist so möglich. Diese wirklich enge Zusammenarbeit sorgt dafür, dass wir schnell und effizient handeln können, wenn es um die Sicherheit von Mutter und Kind geht.“

Frage: Frau Dr. Wunderlich, Sie haben in den letzten Monaten das intensivmedizinische und neonatologische Angebot der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin stetig erweitert. Welche neuen Entwicklungen gibt es in der neonatologischen Versorgung?

Dr. Saskia Wunderlich:
„Ein entscheidender Fortschritt war die Einführung des Transportinkubators für Neugeborene und Kleinkinder, der uns erlaubt, Frühgeborene lückenlos, sicher und stabil in außenliegenden Geburtskliniken abzuholen. Wir sichern in der ländlichen Fläche eine gute Versorgung, auch für Neugeborene, die nicht im Caritas-Krankenhaus entbunden werden. Im Rahmen des „Kindernotärzt*innenprojektes“ sichert die Kinderintensivstation außerdem zwischen 08:00 und 16:00 Uhr auch die Versorgung in der Fläche ab.

Auch die Schmerztherapie entwickeln wir kontinuierlich weiter: Wir setzen gezielt nicht‑medikamentöse Verfahren und individuell angepasste Schmerzpläne ein, sodass die kleinen Patienten möglichst wenig Schmerz erleben und so Traumata vorgebeugt werden. Wir versuchen aktuell über Spendengelder Projektoren zu kaufen, die individualisiert (z.B. mit eigenen Familienbilder) die Patientenzimmer ausleuchten, denn groß angelegte Studien zeigen, dass das den Medikamentenbedarf reduzieren kann.

Zusätzlich haben wir unsere Beatmungstechnik modernisiert: Unsere neuen Beatmungsgeräte bieten verbesserte Parametersteuerung und schonendere Beatmungsmethoden auch für Säuglinge und mit dem neuen AEG-Gerät (Amplituden‑Elektroenzephalogramm) können wir nun die Hirnaktivität der Frühgeborenen früh und zuverlässig überwachen. So erkennen wir neurologische Auffälligkeiten noch früher und können gezielt intervenieren. Diese Maßnahmen sind Teil unserer Strategie, die Qualität der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen und Früh- und Neugeborenen weiter zu steigern und für alle schwer erkrankten pädiatrischen Patienten in der Region die beste medizinische Versorgung zu schaffen.“

Frage: Was sind Ihre persönlichen und beruflichen Ziele für die Zukunft der beiden Kliniken am Standort Bad Mergentheim?

Dr. Sönke Ebert:
„Wir möchten unsere Geburtsangebote weiter ausbauen und den werdenden Eltern noch mehr Optionen bieten, damit sie die Geburt natürlich und sicher erleben können. Dafür haben wir auch in der Geburtshilfe in neue Technologien wie Ultraschalldiagnostik inklusive fetomaternale Dopplersonographie investiert. Die Dopplersonographie ist eine spezielle Art der Ultraschalluntersuchung, bei der wir vor der Entbindung den Blutfluss zwischen Mutter und dem Baby überprüfen können und auch während der Geburt eine ausreichende Versorgung des Babys feststellen können. Außerdem verfügen alle unsere Kreißsäle über eine kabellose CTG-Ableitung sowie eine zentrale CTG-Überwachung, die die Herzfrequenz des Babys, die Wehentätigkeit und die Vitalparameter der Mutter misst. Wir wollen unser Hebammenteam weiter aufbauen und bilden derzeit auch Studentinnen der Hochschulen Nürnberg und Aschaffenburg in Hebammenwissenschaften aus. Unser Team bildet sich ständig weiter durch regelmäßige Fortbildungen, Simulationstrainings sowie Team- und Fallbesprechungen. Außerdem erweitern wir auch das geburtshilfliche Angebot im Hinblick auf Schmerzmittel und alternative Analgesie (Schmerzlinderung ohne Verlust des Bewusstseins), Gebärpositionen – wir haben einen sogenannten „BeUp“-Kreißsaal eingerichtet – und Einleitungsmethoden. Auch die digitale Dokumentation wollen wir weiterentwickeln, um die Sicherheit und Effizienz zu erhöhen. Besonders möchte ich aber nochmal die Bedeutung der Prävention hervorheben: Das ist ein weiterer Schwerpunkt, bei dem wir in den kommenden Jahren noch mehr Aufklärung und Angebote bieten werden.“

Dr. Saskia Wunderlich:
„Für die Zukunft möchte ich die etablierte Rolle der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Caritas-Krankenhaus als führende Anlaufstelle für Neonatologie und mit starker Intensivmedizin weiter ausbauen und in Zusammenarbeit mit der Gynäkologie in unserem gemeinsamen Mutter-Kind-Zentrum weiterhin als zentraler Versorger der Region agieren. Damit unsere neonatologische Versorgung weiterhin auch durch den Einsatz von innovativen Technologien auf höchstem Niveau bleibt, muss in Strukturen, Geräte und die Ausbildung von jungen Ärztinnen und Ärzten sowie von Pflegekräften investiert werden. Wir streben zudem die weiterführende Entwicklung von neuen Schwerpunkten in der Intensivpflege und fortlaufende Weiterbildung unserer Teams an, um die bestmögliche Betreuung der kleinen Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Eine starke Elternschule und eine noch familienfreundlichere Geburtsbegleitung gehören ebenfalls zu unseren langfristigen Zielen.

Insbesondere in den Bereichen der palliativen pädiatrischen Versorgung möchte ich unser Krankenhaus gemeinsam mit Dr. Ebert weiter entwickeln. Ein besonders wichtiger Bereich ist die emotionale Belastung bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, auch für die Kolleginnen und Kollegen, die die Arbeit mit kranken oder frühgeborenen Kindern und ihren Familien mit sich bringt. Die Unterstützung dieser Familien ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit, und unser Ziel ist es, sie körperlich und emotional zu begleiten. Wir wollen diese Familien im übertragenen Sinne an die Hand nehmen und sicherstellen, dass sie nicht nur medizinisch, sondern auch seelisch bestmöglich unterstützt werden. Regelmäßig besucht eine Babylotsin Mütter, die frisch entbunden haben, um mit ihnen auf Wunsch über Unterstützungsmöglichkeiten auch aus dem sozialen Bereich zu sprechen. Die große Dankbarkeit der betroffenen Familien ist eine riesige Energiequelle für uns alle, die uns hilft, auch in schwierigen Momenten, die es in der Geburtshilfe und der intensivmedizinischen Arbeit immer wieder auch gibt, weiterhin mit vollem Engagement zu arbeiten.“

Wir bedanken uns herzlich für diese intensiven und ehrlichen Einblicke. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe öffnet ihre Türen für die interessierte Öffentlichkeit an einem „Tag der offenen Tür“ am 28. Februar 2026. Dann haben Gäste die Gelegenheit, die innovative Arbeit kennenzulernen und sich persönlich von den neuesten Entwicklungen in der Geburtshilfe und auch der Neonatologie zu überzeugen.


Auf dem Foto zu sehen: Die Teams der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim mit Chefärztin Dr. Saskia Wunderlich (4.v.l.) und dem leitenden Oberarzt Dr. Sönke Ebert (2.v.r.) sowie dem Pflege- und Hebammenteam machen durch ihren persönlichen Einsatz das Caritas-Krankenhaus zum zentralen geburtshilflichen Versorger in der Region.

 
 

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